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Unterschied zwischen Marmor und Kalkstein

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Marmor und Kalkstein?

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Marmor und Kalkstein – Unterschiede, Gemeinsamkeiten und bekannte Sorten

Marmor und Kalkstein werden im Alltag häufig in einen Topf geworfen. Das ist durchaus verständlich: Beide gehören zu den sogenannten Weichgesteinen, viele Sorten lassen sich polieren und sowohl Marmor als auch kalkhaltige Natursteine reagieren empfindlich auf Säuren.

Geologisch gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied: Kalkstein ist ein Sedimentgestein, Marmor ein metamorphes Umwandlungsgestein. Vereinfacht gesagt kann aus einem Kalkstein durch hohen Druck und hohe Temperaturen im Erdinneren Marmor entstehen. Für Reinigung, Pflege und Fleckenschutz ist diese Unterscheidung interessant – noch wichtiger ist in der Praxis allerdings die Frage, welche mineralische Zusammensetzung und welche Oberfläche der jeweilige Naturstein besitzt.

Wie entsteht Kalkstein?

Kalkstein entsteht überwiegend durch Ablagerungen und die anschließende Verfestigung kalkhaltiger Bestandteile. Dazu gehören beispielsweise Schalen und Skelette von Meeresorganismen, Korallen, Algen oder kalkhaltige Sedimente. Diese Entstehungsgeschichte lässt sich bei vielen Kalksteinen noch unmittelbar erkennen. Muscheln, Schnecken, Fossilien und unterschiedliche Sedimentschichten sind häufig deutlich sichtbar und machen einen wesentlichen Teil der natürlichen Optik aus.

Typische Beispiele sind Jura Kalkstein, verschiedene französische Kalksteine oder der italienische Rosso Verona.

Wie entsteht Marmor?

Marmor entsteht, wenn kalk- oder dolomithaltiges Ausgangsgestein über lange Zeit hohem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt wird. Dabei rekristallisieren die vorhandenen Mineralien. Aus der ursprünglichen Sedimentstruktur entsteht ein neues, kristallines Gefüge. Fossilien und ursprüngliche Ablagerungsstrukturen sind danach in der Regel nicht mehr erkennbar.

Dieser Vorgang wird als Metamorphose bezeichnet – also als Umwandlung eines bereits vorhandenen Gesteins. Die dabei entstehende kristalline Struktur ist auch der Grund dafür, dass sich viele Marmore besonders fein schleifen und hochglänzend polieren lassen.

Marmor ist nicht einfach nur „härterer Kalkstein“

Häufig wird der Unterschied zwischen Marmor und Kalkstein darauf reduziert, dass Marmor härter und dichter sei. So einfach ist es allerdings nicht. Die technischen Eigenschaften hängen stark von der jeweiligen Steinsorte, ihrem Mineralbestand, dem Gefüge und der Verarbeitung ab. Es gibt sehr dichte Kalksteine und vergleichsweise empfindliche Marmore. Beide Gesteinsgruppen werden im Steinmetzhandwerk deshalb traditionell den Weichgesteinen zugeordnet.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

  • Entstehung: Kalkstein ist ein Sedimentgestein, Marmor ein metamorphes Umwandlungsgestein.
  • Struktur: Kalkstein zeigt häufig Sedimentschichten und Fossilien. Echter Marmor besitzt dagegen ein rekristallisiertes Gefüge.
  • Optik: Kalkstein wirkt je nach Sorte ruhig, wolkig oder fossilreich. Marmor besitzt häufig eine stärker kristalline Struktur und teilweise ausgeprägte Aderungen.
  • Polierbarkeit: Viele Marmore lassen sich hervorragend polieren. Auch zahlreiche dichte Kalksteine können jedoch eine sehr gute Politur erhalten.
  • Säureempfindlichkeit: Calcithaltiger Marmor und Kalkstein reagieren beide empfindlich auf Säuren.
  • Pflege: Entscheidend ist weniger die Handelsbezeichnung als die tatsächliche Gesteinsart und Oberflächenbearbeitung.

Warum wird so viel Kalkstein als „Marmor“ verkauft?

Hier beginnt die eigentliche Verwirrung. Im Natursteinhandel wird der Begriff „Marmor“ häufig weiter gefasst als in der Geologie. Traditionell wurden viele polierfähige dekorative Weichgesteine als Marmor bezeichnet – auch wenn sie geologisch gesehen Kalksteine, Brekzien oder andere Gesteine sind.

Die Handelsbezeichnung sagt deshalb nicht zwangsläufig etwas über die tatsächliche geologische Einordnung eines Steins aus. Für einen Bauherrn ist das zunächst kein Problem. Bei der Reinigung und Fleckentfernung kann es allerdings wichtig werden. Wer beispielsweise davon ausgeht, einen säurefesten „Granit“ vor sich zu haben, obwohl tatsächlich ein Kalkstein verlegt wurde, kann mit einem ungeeigneten Reiniger erhebliche Schäden verursachen.

Bekannte echte Marmorsorten

  • Bianco Carrara: der wohl bekannteste italienische Marmor. Typisch sind sein hellgrauer bis weißer Grund und die meist feine graue Zeichnung.
  • Calacatta: heller italienischer Marmor mit oftmals deutlich ausgeprägter grauer, beige-goldener oder teilweise kräftiger Aderung.
  • Statuario: besonders heller und meist kontrastreich gezeichneter Marmor aus dem Raum Carrara, der traditionell auch für hochwertige Bildhauerarbeiten verwendet wurde.

Bekannte Kalksteine, die häufig als Marmor bezeichnet werden

  • Nero Marquina: tiefschwarzes kalkhaltiges Gestein aus Spanien mit charakteristischen weißen Adern. Im Handel meist als schwarzer Marmor angeboten.
  • Rosso Verona: rötlicher italienischer Kalkstein mit deutlich sichtbaren Fossilien und Einschlüssen. Trotz der häufigen Bezeichnung als Marmor handelt es sich geologisch um Kalkstein.
  • Jura Gelb: deutscher Kalkstein aus dem Altmühltal. Typisch sind Fossilien, Muschelreste und eine beige bis gelbliche Grundfarbe.

Gerade Jura Kalkstein wird in Deutschland seit Jahrzehnten für Bodenbeläge, Treppen, Fensterbänke und Wandverkleidungen eingesetzt und ist ein gutes Beispiel dafür, wie dekorativ und polierfähig auch ein sedimentärer Kalkstein sein kann.

Und was ist mit Verde Alpi, Verde Guatemala oder Antik-Grün?

Noch komplizierter wird die Sache bei grünen sogenannten Marmoren. Viele dieser dekorativen Gesteine gehören mineralogisch zur Gruppe der Serpentinite oder bestehen aus komplexen Mischgefügen. Geologisch handelt es sich damit weder um klassischen Kalkstein noch um klassischen Marmor. Trotzdem werden sie im Natursteinhandel seit langer Zeit unter Bezeichnungen wie „Grüner Marmor“ geführt.

Auch hier gilt deshalb: Die Handelsbezeichnung allein reicht für die Auswahl eines Reinigungs- oder Pflegeproduktes nicht aus.

Travertin – Kalkstein mit charakteristischen Poren

Eine besondere Form des Kalksteins ist Travertin. Travertin entsteht durch die Ausfällung von Calciumcarbonat aus kalkhaltigem Wasser, beispielsweise im Bereich von Quellen. Typisch sind die deutlich sichtbaren Poren, Hohlräume und lagigen Strukturen.

Diese Hohlräume können bei der Verarbeitung offen bleiben oder werkseitig gespachtelt werden. Deshalb kann ein und dieselbe Travertinsorte je nach Bearbeitung völlig unterschiedlich wirken. Geschliffener und gespachtelter Travertin lässt sich vergleichsweise einfach reinigen. Bei offenporigem, ungespachteltem Travertin können sich Schmutz und organische Ablagerungen dagegen leichter in den Vertiefungen festsetzen.

Der wichtigste Unterschied bei Reinigung und Pflege: Säure

Für die tägliche Nutzung ist die geologische Entstehung weniger entscheidend als eine gemeinsame Eigenschaft vieler Marmore und Kalksteine: Sie enthalten Calciumcarbonat und reagieren deshalb empfindlich auf Säuren. Essigreiniger, Zitronensäure, viele Kalkentferner und andere saure Reinigungsmittel können die Steinoberfläche chemisch angreifen.

Auf einer polierten Fläche zeigt sich das häufig innerhalb kürzester Zeit als matter, heller oder stumpfer Fleck. Das ist dann kein Schmutzfleck mehr, sondern eine durch die Säure veränderte Steinoberfläche. Ein solcher Schaden lässt sich deshalb nicht einfach mit einem stärkeren Reiniger entfernen.

Typischer Irrtum: „Der Fleck muss noch weg“

Besonders häufig tritt dieses Problem bei Marmor- und Kalksteinflächen in Badezimmern und Küchen auf. Nach dem Kontakt mit Essig, Zitronensaft oder einem ungeeigneten Kalkreiniger bleibt eine matte Stelle zurück. Anschließend wird versucht, diese Stelle mit weiteren Reinigungsmitteln zu entfernen.

Das kann nicht funktionieren, denn es handelt sich nicht mehr um eine Verschmutzung, sondern um eine Veränderung der Oberfläche. Je nach Schadensbild muss die Fläche anschließend nachpoliert, geschliffen oder fachgerecht aufgearbeitet werden.

Welche Reiniger eignen sich für Marmor und Kalkstein?

Für die regelmäßige Reinigung sollten möglichst säurefreie und für kalkhaltigen Naturstein geeignete Produkte verwendet werden.

  • Für die Grundreinigung eignen sich säurefreie Naturstein-Grundreiniger.
  • Für die regelmäßige Unterhaltsreinigung können geeignete Naturstein-Wischpflegen oder Steinseifen verwendet werden.
  • Kalkablagerungen auf Marmor und Kalkstein dürfen nicht einfach mit einem herkömmlichen sauren Kalklöser behandelt werden.
  • Bei Flecken sollte zunächst geklärt werden, um welche Art von Verschmutzung es sich handelt.

Insbesondere bei unbekannten Natursteinen empfiehlt sich grundsätzlich eine Probefläche an unauffälliger Stelle.

Was bringt eine Imprägnierung?

Eine geeignete Naturstein-Imprägnierung kann das Eindringen von Wasser, Öl und anderen Flüssigkeiten deutlich reduzieren und damit die spätere Reinigung erleichtern. Wichtig ist jedoch die richtige Erwartung: Eine Imprägnierung macht Marmor oder Kalkstein nicht säurefest.

Zitronensaft oder Essig können deshalb auch einen imprägnierten Marmor weiterhin anätzen. Die Imprägnierung befindet sich überwiegend im Porenraum des Steins und soll dort das Eindringen von Flüssigkeiten vermindern. Sie bildet normalerweise keine säurebeständige Schutzschicht auf der Oberfläche.

Marmor oder Kalkstein erkennen – nicht immer einfach

Selbst für Fachleute ist eine sichere Bestimmung anhand eines Fotos nicht in jedem Fall möglich. Farbe und Zeichnung allein reichen häufig nicht aus. Hinweise können beispielsweise sichtbare Fossilien oder Muscheln, eine kristalline Struktur, Poren und Hohlräume, typische Aderungen sowie Herkunft und Handelsbezeichnung geben.

Bei bereits eingebauten Flächen ist für die richtige Reinigung oftmals ohnehin entscheidender, ob es sich um einen säureempfindlichen oder säurebeständigen Naturstein handelt und ob die Oberfläche poliert, geschliffen, gebürstet oder anderweitig bearbeitet wurde.

Fazit: Geologie und Handelsname sind zwei verschiedene Dinge

Der Unterschied zwischen Marmor und Kalkstein ist geologisch eindeutig: Kalkstein entsteht durch Sedimentation, Marmor durch die metamorphe Umwandlung eines kalk- oder dolomithaltigen Ausgangsgesteins. Im Natursteinhandel sind die Grenzen durch jahrhundertealte Handelsbezeichnungen allerdings weniger eindeutig. Deshalb werden bis heute zahlreiche Kalksteine und sogar andere Gesteinsarten als „Marmor“ bezeichnet.

Für den Besitzer einer Natursteinfläche ist vor allem eines wichtig: Nicht allein nach dem Namen des Steins reinigen. Entscheidend sind seine tatsächliche Zusammensetzung und die vorhandene Oberflächenbearbeitung. Bei Marmor und kalkhaltigem Naturstein gilt dabei als wichtigste Grundregel: Säure vermeiden, geeignete Natursteinreiniger verwenden und Flecken nicht mit immer aggressiveren Reinigungsmitteln behandeln.

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